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Interview mit Udo Werges - Ein Erfahrungsbericht
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„Das E-Mobil muss sich meinem Leben anpassen. Nicht umgekehrt.“
Udo Werges fährt Tesla. Seit Februar dieses Jahres hat er mit seinem E-Mobil 50.000 km bei Rallyes, Urlaubsfahrten und auf dem Weg zur Arbeit zurückgelegt.Der Freiberufler aus dem niedersächsischen Osnabrück engagiert sich in der Elektromobilitäts-Szene, hält Vorträge und belegt durch sein Handeln die Alltagstauglichkeit von E-Mobilität. Gründe genug, um ein Gespräch zu führen.
Anke Bracht: Herr Werges, für alle, die Sie noch nicht kennen – was machen Sie so?
Udo Werges: Ich arbeite hauptsächlich in der Finanzbranche, selbständig, mit Schwerpunkt Anlageberatung. Mein Erststudium war Elektrotechnik, daher vielleicht auch mein guter Zugang und technisches Verständnis für die Elektromobilität.Anke Bracht: Dann zählen Sie zu den Nutzern der ersten Generation?
Udo Werges: Nein, ganz und gar nicht. Die 1. Generation Elektromobilisten beginnt etwa 1985. Mich hat es erst vor einem Jahr richtig „erwischt“. Zuerst bin ich im Kopf „umgestiegen“. Dann habe ich den Energielieferanten gewechselt, habe mir den Tesla bestellt und seit Februar fahre ich konsequent damit. Das sind 80 – 90% aller Fahrten, die bei mir so anfallen.Anke Bracht: Und davor?
Udo Werges: In meiner Garage stehen noch ein älterer 7er BMW umgerüstet auf Autogas und ein altes Jaguar Cabrio. Meine Lebensgefährtin hat noch einen modernen Golf. Der Golf wird von uns noch gelegentlich genutzt; die anderen Fahrzeuge gar nicht mehr, daher werden diese demnächst verkauft. Der
Verbrennungsmotor ist m. E. einfach Technik von gestern.Anke Bracht: Was gab den Ausschlag pro E-Fahrzeug? In Ihrem Job müssen Sie doch sehr mobil sein.
Udo Werges: Manchmal schon nach Köln, Hamburg oder Berlin, dazu kommt noch der Spagat zwischen Beruf und Privat. Wir pendeln häufig zwischen Bielefeld und Osnabrück, ist aber alles nur eine Frage der Organisation.Anke Bracht: Das klingt mehr nach Bahncard als nach Elektroauto.
Udo Werges: Sagen wir mal so: Bahncard ja, bis wir unser Elektroauto bekamen, seit dem fahre ich wieder deutlich mehr mit Auto. Es ist einfach so faszinierend, die Effizienz (Verbrauch umgerechnet weniger als 2 Liter Benzin) und auch das elektrische Bremsen. Das E-Mobil hat sich wunderbar in unser Leben eingepasst. Der Tesla ist bei uns nahezu täglich im Einsatz. Und damit natürlich auch die Ladeinfrastruktur.
Anke Bracht: Es scheint ja zu funktionieren, bei 50.000 km Laufleistung in neun Monaten...
Udo Werges: Ja, die Kilometer sprechen für sich, aber für mein Empfinden werden die Nutzer noch viel zu wenig in die Planung der Infrastruktur mit einbezogen. Das betrifft sowohl die Ladepunkte selbst wie auch die Standorte.
Anke Bracht: Beispiele?
Udo Werges: Müssen wir anders formulieren... Wenn Sie die Standorte meinen – wo findet man heute öffentliche Ladepunkte? Wie ist das in Hamburg?
Anke Bracht: Ein Ladepunkt fällt mir ein an der Außenalster, direkt an der Ausfallstraße zur Autobahn...Udo Werges: Das meine ich. Standorte, die verkehrsmäßig stark frequentiert werden. Ich stelle mir gerade vor, wie ich da auf der rechten Spur halte, den Warnblinker an mache und dort minutenlang stehen bleibe, bis das E-Mobil vor mir mit Laden fertig ist und wegfährt. Am besten zur Rushhour...
Anke Bracht: Das kommt nicht so gut an, denke ich.Udo Werges: Da sind wir genau beim Thema. Die Standorte für Ladesäulen müssten danach ausgesucht werden, wo Menschen sich längere Zeit aufhalten. Das sind für mich Hotels, Ausflugsorte, Schulen... das in Kombination mit Ladepunkten in der eigenen Garage und beim Arbeitgeber würde meiner Ansicht nach ein Netz ergeben, das eine Versorgung sicherstellt. Der Elektrofahrer fährt nicht extra zum Laden, er lädt dort, wo er sein Fahrzeug längere Zeit abstellt.
Anke Bracht: Jetzt komme ich mit dem Argument: das ist teuer.
Udo Werges: Abgelehnt. Die Kosten für einen Ladehalt (o. Außensteckdose) sind sehr überschaubar. Langjährige praxiserprobte Technik ist für 350 EUR bis 1.500 EUR verfügbar, in der Regel lassen sich 2 bis 3 Fahrzeuge gleichzeitig daran laden. Beim Fahrzeug selbst schlagen die Anschaffungskosten schon etwas zu Buche, aber die laufenden Kosten (z. B. „Volltanken“ beim Tesla kostet rund 10 EUR) sind erheblich geringer als bei jedem anderen Sportwagen. Man muss schon Gleiches mit Gleichem vergleichen. Es werden oft Äpfel mit Birnen verglichen, niemand würde einen VW Passat und einen Porsche 911 miteinander vergleichen.
Anke Bracht: Wie ist denn Ihr eigenes Ladeverhalten?
Udo Werges: Von allem ein bisschen. An unserem Carport in Osnabrück wurde eine CEE Steckdose (400V/32A) installiert. Das ist sehr komfortabel; über Nacht ist das Fahrzeug auf jeden Fall wieder voll aufgeladen. In Melle an meinem Elternhaus habe ich eine Drehstromkiste installiert, ebenfalls mit rd. 22 kW Ladeleistung, die Elektrofahrern jeden Tag 24 h zur Verfügung steht. In der Tiefgarage in Bielefeld hat mir der Hausmeister ebenfalls eine CEE Steckdose (400V/32A) installiert. Ich selber habe im Ergebnis bisher 3 Lademöglichkeiten geschaffen, davon eine für die öffentliche Nutzung.
Anke Bracht: Darauf kommen wir noch, aber was machen Sie, wenn Sie unterwegs sind? Sie fahren ja irgendwie ständig und auch lange Strecken.
Udo Werges: Der Tesla hat eine Reichweite von 280 bis 350 km, je nach Fahrweise. Da ist alles von Anfang etwas entspannter. Bei einer längeren Tour informiere ich mich im Vorfeld über die Lademöglichkeiten an der Strecke, dafür gibt es Portale im Internet. Aktuell gibt es in Deutschland schon mehr als 1000 Ladepunkte. Ich habe immer die zwei Ladeschlüssel, 2 Ladekarten und ein Verlängerungskabel (für 16A u. 32 A) und dabei.
Anke Bracht: Ladeschlüssel?
Udo Werges: Ja, einen für Park & Charge . Das System kommt aus der Schweiz, gibt es dort schon urlange, ebenso in Deutschland.. In Deutschland steht der älteste P&C Ladehalt seit 1996 in Bielefeld bei Fa. Haberkorn. Das andere System nennt sich „Drehstromkiste“. Muss man nur wissen.
Anke Bracht: Und wie kommen Sie nun von Osnabrück bis Sylt?
Udo Werges: (lacht) Wir starten mit voll geladener Batterie und machen Zwischenstopp in Hamburg im East-Hotel. Dort gibt es nämlich einen tollen Service: eine HPC-Ladestation.
Anke Bracht: Die funktioniert aber nur bei Tesla.
Udo Werges: Das stimmt. Was das Thema insgesamt anbetrifft, denke ich allerdings, dass sich die Branche da noch finden muss. Von den vielen Einzellösungen, die sich momentan entwickeln, werden auf Dauer nur wenige bestehen bleiben...
Anke Bracht: ... und einen Standard entwickeln. So wie das irgendwann mal mit den Videosystemen war. Überlebt hat VHS. Aber zurück zu Sylt.
Udo Werges: Wir gehen brunchen oder spazieren, während dessen lädt sich die Batterie auf - in zwei Stunden sind das bei 60 A rund 160 km – und dann geht es weiter.
Anke Bracht: Und auf Sylt?
Udo Werges: Da war es schon schwieriger, zugegeben. Mit der „Grünen Säule“ in Westerland war es bisher nicht so einfach. Da habe ich ein Kabel von der Ferienwohnung aus dem dritten Stock zum Stellplatz im Hof runter gelassen und so das Auto aufgeladen.
Anke Bracht: Hört sich abenteuerlich an.
Udo Werges: Aber es funktioniert! Derzeit ist ja auch noch viel Pioniergeist dabei, das darf man nicht vergessen. Ich habe dann aber zusätzlich auch die Ladesäule von e8energy in Kampen genutzt. Das war total unkompliziert. Die Logik ist einfach und gut, es geht ganz fix und der Strom fließt.
Anke Bracht: Wobei wir wieder bei den Ladesäulen an sich sind. Sie sprachen eingangs davon, dass die Nutzer bei der Entwicklung zu wenig eingebunden werden.
Udo Werges: Stimmt leider. Es gibt praktisch bisher keine Kommunikation zwischen Ladesäule und Nutzer, und das ist ein ganz wichtiger Punkt. Stellen Sie sich vor: Sie stecken das Ladekabel ein, haben zwei Stunden eingeplant, zum Laden der fehlenden km bis zum Ziel und gehen essen oder vertreiben sich so die Zeit. Und dann kommen Sie wieder und der Ladevorgang ist abgebrochen, damit ist der Zeitplan geplatzt. Vielleicht gab es eine Schwankung bei der Netzspannung oder die Sicherung ist einfach raus geflogen. Von „Sabotage “ durch Dritte (aus Unkenntnis oder Absicht) mal ganz abgesehen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich selbst nur sehr wenige von derartigen Erlebnissen erleiden musste.
Anke Bracht: So etwas ist wirklich ärgerlich.
Udo Werges: Wenn Sie dadurch den letzten Autozug zurück aufs Festland verpassen und Sie am nächsten Tag Termine haben, mehr als das.
Anke Bracht: Was schlagen Sie vor?
Udo Werges: Im Moment sage ich: Ladevorgang selbst überwachen, also eher in der Nähe bleiben und ab und zu gucken. Auch wenn es etwas unbequem ist, es erspart unliebsame Überraschungen, wenn man sie absolut nicht brauchen kann.
Anke Bracht: Und in Zukunft?
Udo Werges: Eine intelligente Säule könnte dem Nutzer alle 20, 30 Minuten eine SMS schicken mit den verbrauchten KWh, daran kann der Fahrer erkennen, ob alles in Ordnung ist und wie der Ladestand/ die Reichweite ist.
Anke Bracht: Einleuchtend. Weitere Wünsche?
Udo Werges: Die Fahrzeuge selbst. Nach meinen Beobachtungen sind der Tesla Roadster und der Nissan Leaf aktuell die einzigen Fahrzeuge, bei denen während des Ladens der aktuelle Ladestand von außen leicht zu erkennen ist. Wenn ich an einem voll belegten Ladepunkt stehen würde und sehe, dass die Fahrzeuge vor mir noch längere Zeit laden müssen, kann ich mir dann überlegen, zum nächsten Rastplatz zu fahren und dort nach einem konventionellen Anschluss zu fragen. Es mangelt noch stark an Information und Kommunikation. Um das Laden im Alltag einfach, zuverlässig und komfortabel zu machen, sind nur wenige, zumeist kleine aber dennoch wesentliche Verbesserungen an Fahrzeugen und Ladeinfrastruktur notwendig.
Anke Bracht: Aber trotzdem sind Sie ein überzeugter E-Mobilist.
Udo Werges: Allerdings. Man darf ja auch nicht vergessen, was in den letzten Monaten schon umgesetzt worden ist. Ich sprach eben die HPC-Standorte an. Im März 2011 gab es nur wenige HPC-Ladestationen, und diese überwiegend in Süddeutschland. Jetzt zum Jahresende erstreckt sich das Netz schon fast flächendeckend über ganz Deutschland. Für die Flotte der Tesla Roadster reichen 20 bis 25 HPC Stationen für ganz Deutschland absolut aus, und diese Anzahl ist bald erreicht.
Anke Bracht: Welche Technik beeindruckt Sie?
Udo Werges: Mir ist der mobile Schnelllader von e8energy besonders positiv aufgefallen. Das CHAdeMO System ist bereits verfügbar und setzt Maßstäbe.
Anke Bracht: Zum Schluss noch einmal ganz zurück. Sie sprachen davon, dass Sie am Haus Ihrer Mutter eine öffentliche Ladebox angebracht haben.
Udo Werges: Richtig. Ich denke, es ist so simpel, Mehrwert für andere zu schaffen und die E-Mobilität voran zu bringen. Mit vielen kleinen Schritten. Jeder Anwender kann das Netz weiter mit entwickeln. Ich freue mich schon jetzt auf den Tag, an dem ich vor einer voll belegten Park & Charge Ladebox oder Drehstromkiste anhalte, und warten muss. Spätestens dann haben die E-Autos den Durchbruch geschafft.
Anke Bracht: Sie sind sehr engagiert, halten Vorträge...
Udo Werges: Ich bin Mitglied im BSM (Bundesverband Solare Mobilität), für mich die erste Adresse in dem Bereich. Und ich berichte gerne vor interessierten Zuhörern über meine Erfahrungen mit unserem Elektroauto. Sie glauben gar nicht, wie groß das Interesse der Öffentlichkeit ist; wir Elektrofahrer werden sehr häufig angesprochen und haben schon so manchen Neugierigen zu einer kleinen Spritztour mitgenommen.
Anke Bracht: Ihre Botschaft?
Udo Werges: Zunächst: E-Mobilität und regenerative Energien hängen untrennbar zusammen. Dann: Die Industrie muss noch lernen, wie man die Kunden abholt – das geht an Hersteller von Elektroautos genauso wie an die Energieversorger und die Dienstleister im Bereich Ladeinfrastruktur. Und, ganz einfach: E-Mobilität ist alltagstauglich und macht richtig Spaß. Die Zeit ist reif, und wenn es an der Zeit ist und zudem noch nachhaltig und richtig ist, dann wird es sich auch durchsetzen. Diese Überzeugung habe ich.
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Das Interview mit Udo Werges führte Anke Bracht.
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